EVU-Beschaffung

Personal-Resilienz statt Feuerwehr: Warum strukturelle Lokführer-Knappheit kein 24h-Problem ist

Lokführer-Engpässe bei EVU entstehen nicht über Nacht. Warum der Mangel strukturell ist — und was das für Ihre Beschaffungsstrategie bedeutet.

Lokführer fehlen. Das ist keine Neuigkeit. Aber die Art, wie viele Eisenbahnverkehrsunternehmen auf diesen Mangel reagieren, zeigt: der Unterschied zwischen Feuerwehr-Logik und struktureller Resilienz ist im Bahnsektor noch nicht angekommen. Dieser Artikel macht die Trennlinie sichtbar — und warum sie operativ entscheidend ist.

Der Unterschied zwischen einem Engpass und einem Strukturproblem

Ein Engpass entsteht kurzfristig. Ein Mitarbeiter wird krank, eine Schicht fällt aus, eine Trasse droht unbesetzt zu bleiben. Engpässe lassen sich mit schnellen Maßnahmen beheben: Überstunden, Rufbereitschaft, Kurzzeitüberlassung.

Ein Strukturproblem ist anderer Natur. Es entsteht nicht über Nacht, und es verschwindet nicht von allein. Der Lokführer-Mangel im deutschen Schienengüterverkehr ist ein Strukturproblem.

Drei Faktoren erzeugen das Ungleichgewicht:

Altersbedingter Abgang. Ein erheblicher Teil der heute aktiven Triebfahrzeugführer:innen hat die zweite Hälfte seiner Berufsbiografie hinter sich. Der Ersatzbedarf durch Renteneintritt ist kein theoretisches Szenario — er läuft bereits.

Engpass in der Ausbildungskapazität. Die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer dauert je nach Vorerfahrung zwischen zwölf und achtzehn Monaten. Bildungsträger und EVU mit eigenen Ausbildungsabteilungen haben begrenzte Kapazitäten. Wer heute mit der Ausbildung beginnt, steht frühestens in einem Jahr einsatzfähig zur Verfügung — vorausgesetzt, die Tauglichkeitsuntersuchung, das Strecken- und Baureihentraining laufen ohne Unterbrechung.

Steigende Nachfrage. Die Verlagerungsziele für den Schienengüterverkehr sind politisch fixiert. Mehr Güter auf die Schiene bedeutet mehr Züge, mehr Trassen, mehr Personal. Die Nachfragekurve zeigt nach oben — die Angebotskurve bei qualifizierten Triebfahrzeugführer:innen tut das nicht im gleichen Tempo.

Das Ergebnis ist kein temporärer Ausschlag, der sich korrigiert. Es ist ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Bedarf und verfügbarem Fachpersonal.

Warum Feuerwehr-Logik das Problem verschärft

Viele Eisenbahnverkehrsunternehmen reagieren auf Personalengpässe mit dem, was unmittelbar funktioniert: Mehrarbeit einfordern, externe Springer anfragen, Trassen im Zweifel abgeben. Diese Reaktionen sind verständlich. Sie lösen das Problem im Moment.

Aber sie haben Kosten, die sich erst später zeigen.

Überstunden und Mehrarbeit erhöhen die Belastung des Stammpersonals. Wer dauerhaft auf Abruf lebt und regelmäßig Extraschichten übernimmt, trägt das im Körper — und irgendwann in der Fehlzeitenstatistik. Jeder krankheitsbedingte Ausfall eines erfahrenen Lokführers erzeugt sofort den nächsten Engpass. Die Feuerwehr löscht den Brand und legt dabei den nächsten.

Externe Springer, die kurzfristig angefragt werden, sind teuer — und nicht immer verfügbar, wenn sie gebraucht werden. Wer erst im Moment des Engpasses nach Optionen sucht, zahlt Premiumpreise und findet möglicherweise trotzdem niemanden mit der richtigen Streckenkenntnis oder Baureihen-Berechtigung.

Abgegebene Trassen haben wirtschaftliche und strategische Konsequenzen, die über den konkreten Zug hinausgehen. Kunden, die sich nicht auf Pünktlichkeit verlassen können, orientieren sich langfristig um.

Feuerwehr-Logik ist reaktiv. Sie behandelt Symptome. Sie ist die richtige Reaktion auf einen echten Engpass — aber die falsche Strategie für ein Strukturproblem.

Was Personal-Resilienz bedeutet

Resilienz im Personalbereich ist die Fähigkeit eines Unternehmens, auch unter Störbedingungen betriebsfähig zu bleiben. Im Kontext eines EVU heißt das konkret: Betriebspflicht erfüllen, Kunden beliefern, Trassen einhalten — auch wenn zwei Lokführer ausfallen, eine Erkrankungswelle durch die Schichten läuft oder ein wichtiger Mitarbeiter in Elternzeit geht.

Personal-Resilienz hat drei Bausteine:

Redundanz im Stamm. Ein EVU, das exakt auf Kante geplant ist, hat keine Toleranz für Ausfälle. Redundanz bedeutet nicht, dauerhaft Personen zu bezahlen, die keine Schichten fahren — sondern geplante Kapazitätspuffer, die sich bei Bedarf aktivieren lassen.

Klare Ergänzungsprozesse. Wenn ein Ausfall eintritt, sollte nicht die erste Frage lauten: “Wen rufen wir jetzt an?” Ein vorbereiteter Rahmen mit einem externen Personaldienstleister, der AÜG-Erlaubnis hat und qualifiziertes Triebfahrzeugpersonal stellen kann, macht den Unterschied zwischen einem planbaren Prozess und einer Krisensituation.

Langfristige Planung statt Spot-Markt. Wer langfristige Rahmenvereinbarungen hat, zahlt nicht die Spotpreise einer Notlage. Wer einen Verleiher kennt und eine Zusammenarbeit aufgebaut hat, kann schneller reagieren als jemand, der erst Kontakte sucht, wenn die Trasse unbesetzt ist.

Diese drei Bausteine zusammen ergeben keine Garantie gegen Engpässe. Aber sie verkürzen die Reaktionszeit und senken die Kosten pro Engpass erheblich.

AÜG als struktureller Puffer — und seine Grenzen

Arbeitnehmerüberlassung ist kein Allheilmittel. Aber im Kontext der Lokführer-Knappheit ist sie das Instrument, das am besten zu einem Strukturproblem passt.

Warum?

Über AÜG kann ein EVU Triebfahrzeugführer:innen ergänzen, ohne diese dauerhaft einstellen zu müssen. Die Lokführer:innen sind beim Verleiher fest angestellt — mit regulärem Arbeitsvertrag, Equal Pay, sozialversicherungspflichtig. Das EVU erhält fachliche Weisungsbefugnis für die Dauer der Überlassung. Keine Probezeit, kein eigenes Onboarding von null, keine Bindung über den Bedarf hinaus.

Das passt auf mehrere Szenarien:

  • Krankheits- oder Ausfallvertretung über mehrere Wochen
  • Kapazitätsspitzen durch saisonalen Mehrverkehr oder neue Aufträge
  • Überbrückung, während eigene Ausbildungskandidaten noch nicht einsatzbereit sind
  • Ergänzung des Stammbetriebs im laufenden Betrieb ohne dauerhafte Bindung

AÜG hat Grenzen, die offen kommuniziert werden sollten. Die Höchstüberlassungsdauer nach § 1 Abs. 1b AÜG liegt bei 18 Monaten — abweichend durch Tarifvertrag auf Seiten des Entleihers oder des Verleihers. AÜG ersetzt keine langfristige Personalentwicklungsstrategie. Wer ausschließlich auf Überlassung setzt und nie eigenes Personal aufbaut, bleibt dauerhaft abhängig vom externen Markt.

Aber als Puffer — als eines von mehreren Instrumenten in einer Resilienz-Strategie — ist AÜG genau das richtige Werkzeug.

Warum das Zeitfenster für Vorbereitung jetzt ist

Es gibt eine Asymmetrie, die in der Praxis unterschätzt wird: Gute Vorbereitung ist billig. Schlechte Vorbereitung ist teuer.

Ein Rahmen mit einem AÜG-Verleiher, der Triebfahrzeugpersonal für den Güterverkehr stellt, lässt sich aufbauen, ohne sofort Kosten zu produzieren. Grundlegende Absprachen, ein klarer Prozess für den Bedarfsfall, Klarheit über Streckenkenntnis und Baureihen-Anforderungen — das ist kein großer Aufwand.

Wer diesen Rahmen erst aufbaut, wenn der Bedarf akut ist, zahlt in Zeit und Geld. Kurzfristige Anfragen, fehlende Einweisungen, kein etabliertes Vertrauen — das alles kostet im Moment des Engpasses deutlich mehr als eine vorbereitete Zusammenarbeit.

Die Personalknappheit im Schienengüterverkehr wird sich in den nächsten Jahren nicht auflösen. Die Ausbildungspipeline ist nicht groß genug. Der demografische Abgang läuft. Die Nachfrage steigt.

Das Zeitfenster für Vorbereitung ist nicht nach dem nächsten Engpass. Es ist jetzt.

Railo — eine Position, kein Heilsversprechen

Railo stellt Triebfahrzeugführer:innen fest an und überlässt sie an private Güter-EVU. Das ist das Modell. Nicht mehr, nicht weniger.

Railo verspricht keine Schnell-Überlassung innerhalb von 24 Stunden. Railo verspricht keine Pool-Größen, die noch nicht existieren. Railo startet 2026 und baut gerade auf.

Was Railo bringt: Klarheit über das Modell, Equal Pay als Standard ab Tag 1, erteilte AÜG-Erlaubnis nach § 1 AÜG, und den Willen, langfristige Partnerschaften aufzubauen — keine Spot-Transaktionen.

Wenn Sie als EVU über Ihre Resilienz-Strategie nachdenken und AÜG als Baustein prüfen möchten, ist das Erstgespräch der richtige erste Schritt. Kein Verkaufsgespräch — ein 15-minütiges Kennenlernen, um zu prüfen, ob es passt. Erstgespräch anfragen

Take-aways

  • Der Lokführer-Mangel im Schienengüterverkehr ist strukturell, nicht zyklisch. Er entsteht aus drei parallelen Faktoren: alternde Belegschaft, begrenzte Ausbildungskapazität, steigende Nachfrage.
  • Feuerwehr-Logik löst Engpässe im Moment, verschärft aber das Strukturproblem langfristig durch Überlastung des Stammpersonals.
  • Personal-Resilienz braucht drei Bausteine: Redundanz im Stamm, vorbereitete Ergänzungsprozesse und langfristige Planung statt Spot-Markt.
  • Arbeitnehmerüberlassung ist als struktureller Puffer geeignet — nicht als Ersatz für eigenes Personal, aber als planbares Ergänzungsinstrument.
  • Die Vorbereitung kostet wenig. Die fehlende Vorbereitung kostet viel. Das Zeitfenster ist jetzt.

Quellen

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Warum ist der Lokführer-Mangel strukturell und nicht zyklisch?

Die Ausbildung zum Triebfahrzeugführer dauert 12 bis 18 Monate und ist aufwändig. Gleichzeitig gehen deutlich mehr erfahrene Lokführer in den nächsten Jahren in Rente, als Nachwuchs nachkommt. Dieses strukturelle Ungleichgewicht lässt sich nicht durch konjunkturelle Maßnahmen beheben.

Wie kann Arbeitnehmerüberlassung als Personal-Puffer wirken?

Über AÜG können EVU qualifiziertes Triebfahrzeugpersonal kurzfristig ergänzen, ohne eigene Stellen dauerhaft zu besetzen. Der/die Lokführer:in ist beim Verleiher fest angestellt und wird an das EVU überlassen, die fachliche Weisung liegt beim EVU. So lassen sich Kapazitätsspitzen oder Ausfälle abfedern, ohne den Stammbetrieb zu belasten.

Was bedeutet Personal-Resilienz für ein EVU konkret?

Personal-Resilienz bedeutet, dass ein EVU auch bei unerwarteten Ausfällen oder saisonal schwankendem Bedarf die Betriebspflicht erfüllen kann. Dazu gehören eine geplante Redundanz im Personalstamm, klare Prozesse für Kurzzeitergänzung und ein vorab etablierter AÜG-Rahmen mit einem Verleiher.

Wie Railo das löst

Railo überlässt Triebfahrzeugführer:innen in Festanstellung an private Güterverkehrs-EVU — Equal Pay ab Tag 1, mit erteilter AÜG-Erlaubnis.